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"Wir streiten weiter für die die Qualität im Journalismus" - zu lesen im Medien News Blog, der aufhört. Foto: Knut Kuckel
"Wir streiten weiter für die die Qualität im Journalismus" - zu lesen im Medien News Blog, der aufhört. Foto: Knut Kuckel

Der „Medien News Blog“ hört auf – „Kritischer Journalismus wird abgewählt“

Für das Team hinter dem „Medien News Blog“ war das keine leichte Entscheidung. „Für die Qualität im Journalismus müssen wir mit neuen Konzepten streiten.“ Mein letzter Kommentar titelt: Das war’s. War’s das? – „Für die Qualität im Journalismus streiten wir weiterhin“.

Unser Engagement für mehr Qualität im Journalismus war in dieser Form – wenn überhaupt – nur begrenzt erfolgreich. Die Debatte um Qualität in den Medien ist vergleichbar mit all den Kontroversen um das Thema Wertekultur. Der Medienjournalismus muss sich neu erfinden.

Die Erfolgskriterien des Boulevards scheinen inzwischen Standard der meisten Medien zu sein. Freundlich formuliert.

Oberflächlichkeit, Häme, Negativismus – das sind nur drei Stichwörter, die einem einfallen, wenn man über das Angebot eines Medientages blickt.

Gelegentlich zitiert und wohl wahr: „Journalisten sind ein Spiegel der Gesellschaft.“

Journalisten machen Medien. Medien machen Menschen. Wer mit ihnen im Aufzug nach oben fährt, darf sich nicht wundern, wenn die Medien mit ihm auch wieder nach unten fahren. Frei nach Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender und Zeitungsvorstand der Axel Springer AG) zum „Prinzip Bild“.

„Digitale Fake-News gefährden die Demokratie“, sagt ausgerechnet Mathias Döpfner im Deutschlandradio. Die Lüge sei Alltag geworden, so Döpfner, sie spiele sowohl rechten Populisten als auch radikalen Linken in die Hände. „Zwischen dem schlimmsten Fall der staatlich beauftragten Lüge und dem Ideal von seriösen Journalismus“ gebe es eine Bandbreite jüngerer Phänomene. Dies reiche von PR, die sich als unabhängiger Journalismus ausgebe, bis zur Schleichwerbung auf Social-Media-Kanälen.

Wie recht doch der Springer-Gewaltige hat. Er zeigt mit dem Finger auf Andere. Drei Finger der ausgestreckten Hand zeigen auf ihn zurück.

Diese Medien bestimmen den Fahrplan. Menschen werden gemacht und Menschen werden zerstört. Das „Prinzip Bild“ macht Schule. Döpfner gehört zu jenen Frontleuten, die bevorzugt Kampagnen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk inszenieren. Unterstützt von Zeitungsverlegern und populistischen Parteien.

Unbehagen macht sich breit. Auf allen Seiten. Die Schere im Kopf ist bei vielen Journalisten inzwischen Standardwerkzeug. Da wird Pressefreiheit zum Wunschdenken.

Hass und Hetze dominieren Facebook & Co. Verbreitet von einer kleinen, aber einflussreichen Minderheit. Aber es wäre unfair, allein nur den sozialen Netzwerken bei diesem Thema den „Schwarzen Peter“ zuzuspielen. „Hate Speech“ dominiert leider mehr und mehr die Kommentarspalten einflussreicher Printmedien.

Sicherlich gibt es noch Qualitätsmedien. Leider immer weniger. Auch an den Qualitätsmedien nagt der kariöse Zahn der Zeit.

Neben den Medien, bei denen noch Qualitätskriterien gelten, hat sich spätestens seit Trumps Wahlkampf eine „Medienwelt“ etabliert, die von Falschmeldungen lebt und sich nicht selten in ihren eigenen Maschen verfängt.

Deepfakes fluten das Netz. Manipulation von Videos. Der Erfinder der Fake-News ist inzwischen seit über einem Jahr amtierender Präsident der USA. Propaganda und Manipulation. Die Welt ist ebenso erschüttert wie machtlos. Jeder Tweet von Trump wird zur Top-News. Die Welt schaut belustigt zu. Mehr nicht. Seinesgleichen fühlt sich bestätigt und gestärkt. Den Kabarettisten und Comediens überlässt man das Feld. Der Journalismus hat mit sich selbst zu tun.

Fake-News, Lügenpresse, Staatsrundfunk – Begriffe die nicht erst seit Pegida und Populismus-Politik von einer breiten Masse als Synonym für „Medien“ benutzt werden.

Kritischer Journalismus wird zunehmend abgewählt, mundtot gemacht. Nicht nur in der Türkei, in Ungarn, in Polen. Auch bei uns. Journalisten werden bedroht und ermordet. Die Welt schaut zu. Öffentlich wird das bedauert. Aber es geschieht nichts.

Sich gegen Ignoranz und Dummheit einer wachsenden Gesellschaftsschicht durchzusetzen ist unpopulär. Um die Pressefreiheit wird täglich gekämpft. Wer für sie eintritt, wird belächelt. Stellt sich gegen eine dumpfe Mehrheit unserer Gesellschaft.

Statt das Schlechte – meist Rechte – mit allen Mitteln einer freiheitlichen Presse zu bekämpfen, biedert man sich an. Wer heute für Qualitätsjournalismus eintritt, könnte Wahlen verlieren.

Um nicht missverstanden zu werden: Konstruktive Kritik muss sein. Ohne ernsthafte Medienkritik gibt es auch keinen Qualitätsjournalismus. Nur sollte Medienkritik nicht mit Medienschelte verwechselt werden. Und – manche Medien sollten erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren, bevor sie über andere herfallen.

Medien News Blog sagt allen Danke, die uns über die Jahre begleitet haben.

Wir werden nicht wegschauen, wenn es gilt, für die Qualität im Journalismus einzustehen. In diesem Sinne unterstützen wir alle Kolleginnen und Kollegen weiterhin bei ihrer Arbeit.

Nur werden wir das nicht mehr in diesem Blog tun. Wir suchen nach anderen Wegen und Formen, uns künftig der Qualitäts-Debatte im Journalismus und in den Medien zu stellen. Mit welchem Ergebnis, lassen wir nach erfolgreichem Denkprozess befreundete Kolleginnen und Kollegen wissen.

Bis dahin, alles Gute!

Von
Knut Kuckel

Meine persönlichen Blogs:
KnutKuckel.news - Eigenes Webportal
→ Tirol.bayern - Grenzgänger und Gipfelstürmer

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Von Knut Kuckel